Grundsätze der IGSV

   Supervision in der Evang.-Luth. Kirche in Bayern (ELKB)
  

 

Die “IGSV in der Ev.-luth. Kirche in Bayern” ist ein Zusammenschluss von Supervisoren und Supervisorinnen, die Supervision in den verschiedenen kirchlichen Handlungsfeldern anbieten.
Die IGSV fördert Supervision im Bereich der Evang.-Luth. Kirche in Bayern. Dies geschieht insbesondere durch:

- Vertretung der Belange von Supervision und der darin begründeten Anliegen ihrer Mitglieder gegenüber der Kirchenleitung;

- Einbringen von Sachkompetenz in konzeptionellen, personellen und strukturellen Fragen, insbesondere durch die kontinuierliche Zusammenarbeit mit dem zuständigen Referat im Landeskirchenamt; 

- den Dialog mit Vertretern und Vertreterinnen der Supervision nahestehenden Beratungsformen; 

- Öffentlichkeitsarbeit für Supervision in kirchlichen Arbeitsfeldern;

- Kontaktpflege zu berufsständischen Vertretungen von Supervisoren und Supervisorinnen und zu ...

- ... Aus-, Fort- und Weiterbildungsstätten für den Bereich Supervision; 

- Orientierung und Information über neue Entwicklungen in der Supervision (jährliche Fachtagung); 

- Weiterentwicklung fachlicher Standards. 

 

   Definition - Supervision ist ...
  

 

Supervision ist eine berufsbezogene Beratung, die zur Sicherung und Verbesserung der Qualität beruflicher Arbeit führt. Supervision bezieht sich dabei auf psychische, soziale sowie institutionelle Faktoren und Rahmenbedingungen. Supervision kann als Bestandteil der beruflichen Praxis und Professionalisierung in Diakonie und Kirche in Anspruch genommen werden.

 

   Formen von Supervision
  

 

Supervision erfolgt in Form eines längerfristigen Beratungsprozesses, z.B. mit Einzelnen, Teams oder Gruppen. Supervision jeder Form unterliegt der Verschwiegenheit. In der Regel dauert ein Supervisionsprozess etwa ein Jahr. Während dieses Jahres finden in etwa 14-tägigem Abstand 15 – 20 Sitzungen statt. Die notwendigen Vereinbarungen werden in einem Kontrakt festgehalten (z.B.: Ziele, Inhalte, Methoden, Ort, Kosten usw.).

 

   Ziele und Inhalte von Supervision
  

 

Supervision als person- und fachbezogene Beratung bezieht sich auf das berufliche Handeln und dessen Bedingungen. Supervisorische Ziele werden primär prozessorientiert realisiert. Dabei geht es um Klärungen im Spannungsfeld von Person, Klientel und Institution. Supervision stärkt und fördert berufliche Kompetenzen, person- und handlungsorientiert. Als ein Beitrag zur Personalentwicklung unterstützt Supervision die Qualitätssicherung am Arbeitsplatz und in der Organisation.

Die in der IGSV vertretene Supervision ist offen für seelsorgerliche und theologische Fragestellungen.

In der Supervision geht es u.a. um:

- Steigerung der Arbeitszufriedenheit und Motivation 

- überprüfen der eigenen Kommunikations-, Kooperations- und Konfliktfähigkeit 

- persönliche Motive, Einstellungen und Werthaltungen klarer wahrnehmen

- klären der eigenen beruflichen Identität, im Spannungsfeld von Anspruch und Wirklichkeit, persönlichen Möglichkeiten und Grenzen

- Abbau von Überforderungen (Entlastung)

- Überprüfen der Arbeitsorganisation und Schwerpunktsetzung

- Überprüfen der Zeit- und Lebensplanung und entwickeln beruflicher Perspektiven

- Stärkung des Einfühlungsvermögens

- Verstehen von biographischen sowie seelischen Zusammenhängen und Ursachen.

- Supervision unterstützt die Integration von theoretischem Wissen in die berufliche Praxis

- Supervision ermöglicht systemische und gruppendynamische Zusammenhänge transparent zu machen.

- Supervision macht Formen und Auswirkungen der Kommunikation deutlich. Sie bietet Supervisanden die Möglichkeit, entsprechend ihrer eigenen   Situation, Lösungen zu entwickeln.

 

   Standards für die Mitgliedschaft
  

 

Mitglieder der IGSV können Supervisoren und Supervisorinnen werden, die

1. Mitglied in einer der in der ACK (Arbeitsgemeinschaft der christlichen Kirchen) zusammengeschlossenen Kirchen sind und deren Ausbildung den folgenden Standards entspricht.

2. eine abgeschlossene Berufsausbildung und mindestens fünf Jahre Berufserfahrung haben

3. eine Ausbildung zum Supervisor, zur Supervisorin nachweisen, die folgenden Standards entspricht:

3.1. Dreißig Sitzungen Supervision, in den letzten drei Jahren vor Beginn der Ausbildung, in zwei verschiedenen Supervisionsformen (davon ein Prozess in Einzelsupervision) bei Supervisoren oder Supervisorinnen mit anerkannter Ausbildung

3.2. Nachweis über methodische Kenntnisse durch die Teilnahme an langfristigen Zusatzausbildungen oder Fortbildungsveranstaltungen, die das Spannungsfeld Person, Rolle und Institution zum Gegenstand haben (Mindestumfang 400 Ustd)

3.3. Kontinuierliche Teilnahme am Kurs mit einer Mindestdauer von 60 Tagen, bzw. mindestens 500 Unterrichtsstunden, verteilt auf mindestens zwei Jahre

3.4. Durchführung von mindestens drei eigenen Lernsupervisionsprozessen à 15 Sitzungen in Einzel-, Gruppen- und/oder Teamsupervision

3.5. Teilnahme an mindestens 35 Sitzungen Lehrsupervision

3.6. Schriftliche Auswertung der Lehrsupervision

3.7. Eigenständige schriftliche Abschlussarbeit

3.8. Erfolgreiche Teilnahme am Abschlusskolloquium

3.9. Der Ausbildung muss eine Konzeption zugrunde liegen, die Aussagen macht über

3.9.1. eine Theorie der Person (z.B. Psychoanalyse, System- und Kommunikationstheorie) sowie das Lernen von Erwachsenen

3.9.2. das Verständnis des Spannungsfeld von Klienten, Organisation und Mitarbeitern in den Praxisfeldern von Supervision

3.9.3. die didaktischen Grundsätze und das methodische Vorgehen (z.B. Kontrakt, Setting, Dauer von Supervision etc.)

3.9.4. das Verständnis der praktischen Arbeit der Praxisfelder von Supervision im gesellschaftlichen Kontext

4. entsprechend der Satzung zur Mitarbeit in der IGSV bereit sind.

 

   Andere Formen der Beratung und Begleitung
  

 

Die IGSV pflegt den fachlichen Austausch zu anderen Ansätzen von Beratung, Begleitung und Seelsorge (z.B. Gemeindeberatung, Organisationsberatung, Coaching, Praxisberatung und Therapie).

 

  

 beschlossen von der Mitgliederversammlung der IGSV am 20. Mai 2000 in Josefstal